Bericht: Pfarrhaus Oberharmersbach soll nach Trauma "verwandelt" werden
31.10.2025 |
Erstmals trafen sich mit dem „Runden Tisch“ Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege und der Erzdiözese Freiburg, um eine Lösung für den Umgang mit dem ehemaligen Pfarrhaus zu finden. Dabei geht es um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die 1991 bekannt wurden.
Text und Foto: Karl-August Lehmann ( Lehmann Archiv
Seit über vier Jahren beschäftigt den „Runden Tisch“ mit seiner Steuergruppe die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Oberharmersbach, die 1991 in ihrer ganzen Dimension bekannt wurden.
Der Umgang mit diesem von Betroffenen und deren Familien traumatisch erlebten Verbrechen erweist sich als äußerst schwierig. Nicht nur das Thema „Heilung“ nimmt breiten Raum, auch die Frage, was mit dem Pfarrhaus als Brennpunkt des Missbrauchs geschehen soll, gilt es zu lösen.
Dieser Gedankenaustausch mit Vertretern aus Stuttgart und Freiburg zeige die Wertschätzung für die bisher geleistete Arbeit und unterstreiche auch das große Interesse an einer einvernehmlichen Lösung, heißt es.
Alle Beteiligten der Diskussionsrunde hatten ausführlich Gelegenheit, ihre Lösungsansätze für die schon über Jahrzehnte schwelende Belastung für Oberharmersbach vorzutragen und zu begründen.
Lösungsansätze
Eine Begehung des Pfarrhauses verdeutlichte, womit Betroffene noch immer zu kämpfen haben: die knarrende Treppe, der aufdringliche Mief, die Räumlichkeiten, die trotz mancher bisheriger Umbauten nicht ganz aus der Erinnerung zu verbannen sind – beklemmende Stille begleitete das Betreten einzelner Räume.
Diese Signalwirkungen waren auch in der Vergangenheit der Grund für die Forderung, das Pfarrhaus abzureißen.
„Das Pfarrhaus steht heute für das Unrecht. Wenn es verschwindet, ist das Unrecht immer noch geschehen. Abriss ist keine Lösung“ erklärte Professorin Ulrike Plate, Abteilungsdirektorin im Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, die Position ihrer Behörde.
Sie sei überzeugt, dass es eine Lösung mit dem Pfarrhaus geben könne. Die Messlatte des öffentlichen Interesses in dieser Frage liege sehr hoch, nach der es eine Lösung zu finden gelte.
Umgestaltung notwendig
„Ich bin beeindruckt, welche Arbeit bisher vom `Runden Tisch´ geleistet wurde“, zollte sie den Beteiligten für die Vorarbeit ihren Respekt. Darauf ließe sich aufbauen. Erfahrungen aus anderen Bereichen der „Vergangenheitsbewältigung“ hätten gezeigt, dass immer Gegner und Befürworter aufträten und daher sei die Debatte über den richtigen Weg das Wichtigste.
Deutliche Position bezog der „Runde Tisch“. „Wir brauchen eine Verwandlung des Pfarrhauses“, erinnerte Fridolin Laifer an das Ziel „Heilung“. Bei der Umgestaltung habe eine qualitativ hochwertige Lösung mit der Abdeckung des Raumbedarfs Vorrang, man brauche weder ein Denkmal noch eine Erinnerungsstätte.
Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Zell a. H., Ansgar Horsthemke, verwies ebenfalls auf den vielschichtigen Prozess. „Wir haben etliche Bedarfsfelder“, blickte er in die Zukunft.
Hier soll ein Ort der Begegnung entstehen, Räume für Betroffene und Angehörige, für Aufarbeitung des Missbrauchs und dessen Prävention. „Es ist ein sichtbares Zeichen der Veränderung der Kirche“, dachte er auch an die Strahlkraft über den Ort hinaus.
Das noch immer emotional aufgeladene Thema und die Vielzahl der Beteiligten (Landesamt für Denkmalpflege, Erzdiözese Freiburg/Haupabteilung 9 „Immobilien- und Baumanagement“/Bauamt, „Runder Tisch“ sowie unterschiedliche Auffassungen in der Gemeinde) waren und sind Gründe für den mehrere Jahre dauernden Prozess, um einen gangbaren Weg für Oberharmersbach zu finden, der einen Schritt in die Zukunft bedeutet.
Nach rund fünf Stunden intensiver Diskussion stand die von allen Teilnehmern getragene klare Perspektive für die weitere Entwicklung. Wichtig war, so der Tenor, Klarheit über den weiteren Prozess und über Verantwortlichkeiten zu schaffen.
In nächster Zeit würden der „Runde Tisch“ und die Eigentümer, vertreten durch die Gremien der Kirchengemeinde, den Raumbedarf konkretisieren.
Der Prozess werde vorangetrieben mit Einbindung der Bürger in diesen Dialog und der Beteiligung der politischen Gemeinde. Mit am Tisch sind bei diesen weiteren Gesprächen stets die Verantwortlichen der Erzdiözese Freiburg und das Landesamt für Denkmalpflege.
Die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs gieße das Projekt in eine konkrete Form.
Hilfe für Betroffene von sexueller Gewalt
Der Erzdiözese Freiburg ist es ein zentrales Anliegen, sexualisierte Gewalt aufzuarbeiten, weitere Übergriffe zu verhindern und in diesem Zusammenhang Hilfe zu leisten.
Aktuelle Informationen und Hilfsangebote finden Sie hier: www.ebfr.de/gegenmissbrauch.
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