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Oberharmersbach: Name von Pfarrer aus Steintafel entfernt

09.09.2024 | Steinmetz tilgt den Namen des einstigen Pfarrers von der Tafel unter den Augen der Mitglieder des Runden Tisches

In Oberharmersbach wurde nun der Name des einstigen Missbrauchspfarrers aus einer Sandsteinplatte entfernt. Dort sind alle Seelsorger der Pfarrei seit 1634 eingraviert.

Der vermutlich hundertfache Missbrauch von Ministranten in der Pfarrgemeinde Oberharmersbach ab Ende der 1960er-Jahre wird über Jahrzehnte hinweg die Menschen noch länger belasten. Der „Runde Tisch“, der sich seit gut zwei Jahren intensiv mit der Aufarbeitung vor Ort auseinandersetzt, ließ jetzt den Namen des Täters aus der Liste der Oberharmersbacher Seelsorger auf einer Sandsteintafel streichen.
Stefan Hupfer hat sich sein Handwerkszeug zurechtgelegt. Der Steinmetz aus Wittelbach, momentan mit der Sanierung der Außentreppen an der Pfarrkirche beschäftigt, hat eine keineswegs alltägliche Arbeit vor sich. Auf der großen Altarplatte, ein Sandsteinrelikt aus der 1968/69 renovierten Pfarrkirche St Gallus, sind die Seelsorger der Pfarrei seit 1643 eingraviert.
Aus der Liste der 49 Namen soll der zweitletzte Namen gestrichen werden. Es ist der des Missbrauchspfarrers. Ein symbolischer, aber für die Aufarbeitung der Verbrechen ein wichtiger Schritt, dem Mitglieder des „Runden Tisches“, und Betroffene, Pfarrer Bonaventura Gerner und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Ansgar Horsthemke ihre Aufmerksamkeit schenken.

Zwei Seiten

Rückblick: Franz B. war im Februar 1967 als Pfarrer nach Oberharmersbach gekommen. Er schien ein rühriger Seelsorger zu sein. Die ein Jahr später begonnene Renovierung der Pfarrkirche lief unter seiner Regie.
Fast alle verstand er mit seinen Aktivitäten zu blenden. Er organisierte für die Ministranten Fahrten nach Skandinavien und Rom, lud zu Ferienfreizeiten ein, rief einen Kinderchor ins Leben und stand Pate bei der Gründung der DJK. Im Pfarrhaus ließ er als Jugendtreffpunkt die „Gallusklause“ bauen. 1980 wurde das auf seine Initiative zwischen Kirche und Pfarrhaus gebaute Pfarrzentrum eingeweiht.
Insofern schien es auch anlässlich seiner offenbar „aus heiterem Himmel“ erfolgten Versetzung im Jahre 1991 nur angemessen, ihn zum Ehrenbürger der Gemeinde Oberharmersbach zu ernennen.
Doch es gab auch eine andere Seite, die sich hinter der Fassade des freundlichen und engagierten Seelsorgers verbarg, deren tatsächliches Ausmaß wohl noch längst nicht bekannt ist und mit der einige Oberharmersbacher noch immer nicht klarkommen. Nur kurze Zeit nach seiner Ankunft in Oberharmersbach hatte die abscheuliche und für Dutzende von jungen Menschen peinigende Zeit des Missbrauchs begonnen.
„Man muss es klar sagen: Der Pfarrer war ein Verbrecher“, platzt es aus Fridolin Laifer heraus. Mit dieser Auffassung steht der engagierte Mitarbeiter in der Pfarrei nicht allein da. Dass der Pfarrer nahezu ein Vierteljahrhundert diese Verbrechen begehen konnte, ist auch der Untätigkeit der Erzdiözese Freiburg unter dem damaligen Personalreferenten und späteren Erzbischof Robert Zollitsch geschuldet. Selbst nach der ersten Anzeige eines Betroffenen und dem Suizid des Pfarrers im Jahre 1995 hielt man sich eher bedeckt, obwohl B. als „Bubenpfarrer“ intern bekannt war (wir berichteten mehrfach).
Freiburg schickte den Kinzigtäler Dekan nach Oberharmersbach, der während eines Gottesdienstes den Gläubigen vorerst reinen Wein einschenkte. Aber erst nach Bekanntwerden der aufrüttelnden Fälle des Missbrauchs im Canisius-Kolleg und in der Odenwaldschule im Jahre 2010 hat Freiburg reagiert.

Jahreszahl bleibt

Stefan Hupfer zieht akribisch mit seiner Wasserwaage Striche im Abstand von wenigen Millimetern über den zu tilgenden Namen. Behutsam setzt er den kleinen Presslufthammer mit dem Schriftmeißel an. Unter den aufmerksamen Augen der Beobachter arbeitet sich der Steinmetz Millimeter für Millimeter an seinen Hilfslinien entlang. Für einige Minuten ist nur das monotone Hämmern zu hören. Mit Druckluft bläst er den Staub weg. Dann ist der Name weg, nur die Jahreszahl „1967/91“ bleibt unversehrt stehen, um zu zeigen, wie lange der Missbrauch durch Wegschauen und Vertuschen möglich war.
Eine kleine Hinweistafel soll Auswärtige darüber aufklären, warum der Name gestrichen wurde.
Dann kann sich das Gremium des „Runden Tisches“ der nächsten, noch viel größeren Aufgabe widmen: Wie soll es mit dem Pfarrhaus, dem häufigsten Ort des Missbrauchs, weitergehen?
 
Hilfe für Betroffene von sexueller Gewalt
Der Erzdiözese Freiburg ist es ein zentrales Anliegen, sexualisierte Gewalt aufzuarbeiten, weitere Übergriffe zu verhindern und in diesem Zusammenhang Hilfe zu leisten. 
Aktuelle Informationen und Hilfsangebote finden Sie hier: www.ebfr.de/gegenmissbrauch.
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